Politische Dimensionen

Selbst in einfachsten Tests wird Politik meist zweidimensional betrachtet, wie ihr hier sehen könnt:



Dies ist beispielsweise mein Ergebnis des political compass, ihr seht also, es gibt darauf nicht nur links und rechts, sondern auch Oben - autoritär, top-down, tendenziell also eher Macht von Einzelnen über viele, und Unten - libertär, tendenziell also eher Macht von Vielen über Einzelne. Es gibt aber noch weitere Dimensionen:

Dreidimensional berücksichtigt auch das Umfeld einer politisch denkenden Person. Auf das Bild des Kompasses heruntergebrochen bedeutet dies, nicht nur links, rechts, oben, unten, sondern auch hinten und vorne. Wir befinden uns in sozialen Gruppen, was unsere Gruppe mehrheitlich denkt, beeinflusst uns immerzu.

Vierdimensional bedeutet hier, den Entwicklungsverlauf der Person über die Zeit zu bedenken, und so die Wahrscheinlichkeit der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten angesichts all dieser Ebenen zu analysieren. 

Wenn der Sachverhalt eindeutig und nicht sonderlich komplex ist, so ist dreidimensionale Betrachtung oft ausreichend, manchmal agieren Menschen undurchsichtiger, dann benötigen wir vier Ebenen der Betrachtung, dann sind auch diese sehr vorhersehbar.

Der Allgemeine Sprachgebrauch - leider durch den Qualitätsverlust in der Medienlandschaft auch immer mehr dort, ich nenne hier BLD und Spiegel Online als besonders unrühmliche Beispiele - beschreibt Politik oft lediglich eindimensional

Zum Beispiel also: Links oder rechts, kapitalistisch oder kommunistisch, progressiv oder reaktionär. An den Begriffen ist es sehr gut ersichtlich: Diese Gegenüberstellung von Extremen ist auch das, was im Allgemeinen als "Schwarz-Weiß-Denke" bezeichnet wird. 

 Mit dieser einfachen Sicht der Dinge lässt sich besonders gut Panik erzeugen. Ein nach solcher Art verfasster Artikel, der von einer ausreichenden Anzahl in ähnlicher Weise denkender Menschen gelesen wird, eignet sich somit ausgezeichnet zur Manipulation.
Als Beispiele: Die geistige Brandstiftung, die Unionspolitikerinnen und -politiker betreiben, wenn sie Lügen über Geflüchtete verbreiten, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen ebenso, wie der billige Versuch vom SPON jüngst, der Demonstration gegen TTIP und CETA in Berlin gestern ein braunes Jacket anzuziehen. So lächerlich... und mir tun gewisse Twittermenschen, die darauf reinfielen und nach dem Stöckchen sprangen, schon eher etwas leid.

Warum?  Ganz einfach: 
Wenn bei 100.000 - Zahl der Polizei, 150.000 - Zahl der Presse, oder 250.000 - Zahl der Veranstalter, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, wenn bei einer solchen im wahrsten Sinne des Wortes unüberschaubaren Masse an Leuten vielleicht 15 oder 45 Nazis irgendwo rumrennen und ein hässliches Transpi hochhalten, dann passiert da, und passierte auch gestern, genau das:
  • die meisten, auch zum Beispiel ich, werden sie nie gesehen haben, wie denn auch wenn dazwischen 23247 Leute zwischen denen und mir herumlaufen, die ganz anders sind und wirkten? Diese bunten, anderen, und das nur nebenebei: die übrigens in ihrer Mehrheit so faszinierend und wundervoll auf mich wirkten, in ihrer Musik, ihren Schildern, Kleidung, Frisuren und sonstigem Erscheinungsbild, dass ich sogar nach Berlin nur hätte fahren können, um all die verschiedenen bunten Menschen zu bewundern -
  • und wenn ich das Pech - denn es hätte mir die Laune verdorben - gehabt und sie gesehen hätte, was hätte ich dann tun sollen? Das Transpi oder die selbst kapputt machen? Nein, dann wäre ich nicht besser als die, sondern genauso. Sie (als Einzelperson, wirksam geht das nur über Lautsprecher) bitten, zu gehen? Nein, sie hätten mich, zu Recht, ausgelacht. Die Polizei bitten, die Nazis zu entfernen? Nein, so lange sie niemandem etwas getan haben, keine unmittelbare (dann nur darum kümmert sich die Polizei bei einer Demo!) Bedrohung darstellen, funktioniert leider auch das nicht...

TL;DR:
Wenn man Politik nur eindimensional betrachtet, werden politische Zusammenhänge oder Personen schnell gefährlich unzutreffend wahrgenommen, bei zweidimensionaler Betrachtung manchmal ungenau oder unzureichend, bei dreidimensionaler Betrachtung meist ausreichend und bei vierdimensionaler Betrachtungsweise eher einfach und klar.


P. S.

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